Steinegg (823 m)

was ewig währt, wird endlich gut

Ausgangsort: Blumau (330 m)

Ein Bildband "Südtirol & Dolomiten" ziert mein Arbeitszimmer.
Darin ein großes Bild über eine phantastisch schöne Kehrengruppe mit 15 Kehren in einem steilen, nicht allzu bewachsenen Hang. Oben ein Dorf mit einer alles überragenden Kirche. Darunter steht lapidar "Lavazèjoch"

Diesen Anstieg "muss" ich fahren, allzusehr ähnelt die gesamte Strecke dem berühmten Tour de France Anstieg nach Alpe d'Huez. Da hier die Kehren aber viel kürzer aufeinander folgen, jagt eine Kehre die andere, ein Hochgenuss für jeden ambitionierten Bergradler.

Ich plane das "Lavazèjoch" in eine Tour ein. Endlich werde ich diese Kehrengruppe, die mir nicht mehr aus dem Kopf will, beradeln. Die Vorfreude ist riesengroß.
Start in Cavalese. Beim Brückenwirt Abzweig nach Aldein. Über den Petersberg nach Deutschnofen und hinab zur Wiesersäge dem Startort zum Nordanstieg des Lavazèjochs

Steil ist die Straße, 13 %, geradlinig ist die Straße, kaum Kehren hat die Straße.
Dann das Passschild: "Lavazèjoch".
Groß ist die Entäuschung.

Auf der Süd-Abfahrt zurück nach Cavalese:
Steil ist die Straße, 13 %, geradlinig ist die Straße, kaum Kehren hat die Straße.
Endlos die Entäuschung.

Jahre später fahre ich die Tour: "Über den Nigerpass zum Rosengarten und Karerpass". Ich wähle die Variante über Gummer, fahre von dort über eine herrlich aussichtsreiche Straße auf die Ortschaft Steinegg zu. Danach fällt die Straße über viele Kehren ins Eisacktal ab.

"Das ist sie, die phantastische Kehrengruppe aus dem Bildband"

Ich bin unten in Blumau. Heiß ist es, weit über 30 Grad, meine Temperaturen. Ich mag es, wenn der Schweiß in Bächen rinnt, die Schweißtropfen von der Nasenspitze auf das Oberrohr fallen, dort in tausend kleine Tröpfchen verstieben und die Sonne eine in vielen Farben glitzernde Fläche daraus macht.

Die Motivation ist riesig. Ich will diese Kehrengruppe noch einmal beradeln, diesmal hinauf.

Die 15 Kehren werden niedergesprintet, kaum ist die eine Kehre genommen, lockt schon die nächste. Dazu so gut wie kein Verkehr. Immer wieder Tiefblicke hinab ins Eisacktal via Bozen. Glückshormone werden ausgeschüttet. Die Kirche ist das Ziel.

Auf der Abfahrt pendle ich gemütlich durch die Serpentinen und genieße dabei mit allen Sinnen die endlich gefundene Kehrengruppe.

(Autor: Gerd Balser)



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